FSJ Kultur-Relikte in Schleswig-Holstein // 19. bis 22. Februar 2015, Scheersberg

Alumni-Seminar Schleswig-Holstein 2015 - Gruppenfoto

„Ein Seminar für uns ehemalige Freiwillige, das wär toll!“ …zunächst nur laut gedacht, sollte aus dieser Idee bald Realität werden. Nachdem wir beide nicht nur Fans der Kreativseminare während unseres eigenen FSJ Kultur waren, sondern auch die der nachfolgenden Jahrgänge als Teamer mit ausgestalten durften, schwirrte dieser Gedanke schon länger in unseren Köpfen umher. Doch wie holt man den Zauber der Seminare eigentlich für jeden einzelnen Jahrgang zurück? Wie viele Personen würden wohl kommen wollen? Und wie viel ist ein Alumni bereit, dafür zu bezahlen? Woher kommt das restliche Geld? Sollen wir eine Bildungsstätte zentral in Deutschland buchen oder gehört für uns der Scheersberg an der Ostsee einfach zum richtigen Seminar-Feeling dazu?

Alumni-Seminar Schleswig-Holstein 2015 - WillkommenNachdem auf diese und viele andere Fragen, die am Anfang eines solchen Vorhabens stehen, Antworten gefunden waren, galt es, das Konzept in Angriff zu nehmen. Ein Motto war schnell gefunden, doch wie sollte dieses mit Inhalten gefüllt werden…? Für uns war schnell klar, dass wir dem selbstorganisierten Abschlussseminarstil nacheifern wollen und in kreativen Werkstätten, die die Teilnehmenden selbst anleiten, gemeinsam aktiv werden möchten. Auch nicht fehlen durfte eine „Zukunftswerkstatt“, in der thematisiert werden sollte, wohin die weitere Reise von uns schleswig-holsteinischen Alumni gehen kann und soll. Auch sollte Platz sein für Erinnerungen und zum Weiterspinnen von Ideen, die früher vielleicht noch nicht zu Ende gedacht werden konnten. Mit diesen Grundgedanken im Kopf ging es dann richtig los: Wir verschickten Rundmails und Einladungen und konnten es kaum glauben, als nach wenigen Stunden bereits etliche Anmeldungen eingingen. Auf ein solches Seminar schienen viele Ehemalige gewartet zu haben. Voller Motivation fragten wir also mögliche Werkstattangebote, Wünsche und Erwartungen der Angemeldeten ab. Wundervoll vielfältige Angebote kamen zusammen, für uns wurde es zu einem richtigen Puzzlespiel, alles im 3 ½-tägigen Seminarplan unterzubekommen. Am Ende standen die Werkstattangebote Storytelling, Impro-Theater, Handlettering, Gesang, das Einsprechen und Schneiden einer Radio-Show oder die Kreation von verschiedenen Tee-Sorten auf dem Plan. Auch das Nähen von Schlüsselanhängern und Handy-Taschen, eine Auseinandersetzung mit idealen Wohnformen und ein kleiner Schwedisch-Kurs wurden angeboten. Yoga, eine Nachtwanderung, SingStar, Quidditch, eine gemeinsame Wandgestaltungsaktion und Jam-Sessions standen genauso auf der Wunschliste. Das alles versprach auf jeden Fall schon eine kunterbunte Sause zu werden.

Das Auto randvoll gepackt, voller Erwartungen und auch ein bisschen kribbelig, ob alles klappt, kamen wir am Donnerstag dann auf dem Scheersberg an, wo wir nicht nur herzlichst begrüßt wurden, sondern uns auch vom Team des Hauses eine mehr als fröhliche Grundstimmung auf das Kommende entgegenschlug. Getreu unserem Seminar-Motto „Nachts auf dem Scheersberg – die Relikte sind los!“ verpassten wir dem Haus noch den so sehr geliebten FSJ-Kultur-Charme, verteilten Fotos, Textausschnitte und Überbleibsel, schmückten die Wände mit bunten Wochenplänen und Willkommens-Flipcharts, bevor die Shuttles starteten, um die 40 teilnehmenden Alumni am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Wiedersehensfreude mischte sich mit Kennenlernen, denn aus allen Jahrgängen und Gruppen von 2009 bis 2014 kamen Menschen zusammen, einige kannten sich also bereits, andere lernten sich erst kennen. Die Stimmung war laut, bunt und fröhlich und alle fühlten sich durch irgendetwas gleich verbunden. Irgendwie so hatten wir es uns vorgestellt… aber irgendwie übertraf es unsere Erwartungen dennoch. Schon beim Kaffee fühlte es sich an, als würden wir uns alle schon lange kennen, als träfe sich niemand gerade zum ersten Mal. Und genau dieses Gefühl blieb die ganzen Tage bestehen und fesselte uns. Schöner hätten wir es uns nicht ausmalen können. Es wurde rund um die Uhr gewerkelt, geschrieben, gemalt, gebastelt, gesungen, gespielt, getanzt, gelacht, geredet, gefeiert, in Erinnerungen geschwelgt, es wurden Adressen ausgetauscht, Zukunftsideen gesponnen, Popcorn vernascht und wenig geschlafen. Tage und Nächte vergingen viel zu schnell, lauter Visionen entstanden, für die die gemeinsame Zeit einfach nicht reichen konnte. Am Ende stand eine überragende Kulturshow mit Ergebnissen und Arbeitseinblicken aus den Werkstätten, die uns alle überraschte. Einige Werkstätten fanden nur zwei Stunden, andere über vier oder sechs Stunden statt. Es war überwältigend, was in dieser kurzen Zeit – und in den eigentlichen Seminarpausen, in denen einfach weiter kreativ gewerkelt wurde – auf die Beine gestellt worden ist.

„Auf der Suche zu sein, nach irgendetwas, nach nichts. Und dann so viel zu finden, so viele Möglichkeiten zu sehen. Immer wieder aufs Neue.”

Die ehemalige Freiwillige Anna hat ganz im Detail und wunderbar anschaulich aufgeschrieben, wie für sie das Seminargefühl zurückgekommen ist:

Zu Annas Bericht ...

Wir möchten die Gelegenheit an dieser Stelle noch einmal nutzen, um allen Teilnehmenden „DANKE“ zu sagen für diese Energie und kreative Power. Mit eurer Begeisterung habt ihr uns in jeder Minute die Stunden, die wir in Planung und Vorbereitung investierten, wiedergegeben. Ihr seid toll! Genauso sagen wir all jenen danke, die uns sofort feuereifrig mit Rat und Tat zur Seite standen – besonders natürlich der LKJ Schleswig-Holstein, die uns nie ausbremste, sondern in jeder nur erdenklichen Form unterstützte und ermutigte. Eigentlich wussten wir es schon vorher, dennoch wurde uns noch mal bewusst, dass man die Dinge einfach anpacken muss, weil es immer Menschen gibt, die schon lange darauf warten. Unser Fazit ist klar: „Dies war das erste, darf aber auf keinen Fall das letzte Seminar dieser Art gewesen sein. Es stehen noch so viele Ideen und Visionen im Raum und jedes Jahr rücken neue Freiwillige nach, die vielleicht auch nur darauf warten, sich noch einmal in den zauberhaften Bann der Seminare ziehen lassen zu können…!“

ein Bericht von Carola und Matthias
Bilder: Matthias Lund, LKJ Schleswig-Holstein