Einblick No. 18

Erasmus-Spaziergänge

Da kommt immer noch was – Vom FSJ Kultur und Erasmus

Mit 26 Jahren war ich die älteste unter den Erasmus-Studenten/-innen in Göteborg. Das machte mir aber nichts. Mir hatte bisher Mut und Zeit gefehlt, diesen Wunsch im Studium umzusetzen. 2013 war dann endlich das Jahr. Kurz vor meiner Masterarbeit, dachte ich, müsste das doch nun wirklich mal sein.

Göteborg, die kleinere der beiden größten Städte Schwedens ist bezaubernd und mit seinen fast 600.000 Einwohnern um so vieles kleiner als Berlin, wo ich studiere. Es gibt weder S- noch U-Bahnen, sondern ausschließlich Trams und Busse. Die Busse halten, wenn jemand angerannt kommt, was selten vorkommt, denn niemand ist in Eile. Friseure und Fitnessstudios sind überdurchschnittlich oft in der Stadt anzutreffen und zeigen, was wirklich wichtig ist in Schweden: Gut aussehen. Das schaffen die Schweden auch und dazu sind sie noch nett und entspannt.

Leicht kann man die Frage „Was macht man denn damit?“ generell nicht beantworten, wenn man Deutsche Literatur studiert. In Schweden kam noch „Und was machst du dann hier?“ dazu und ließ ein „Ich bin ja nicht wegen des Studiums hier, sondern wegen der Erasmussache“ meinerseits folgen.

Das ist die Wahrheit und, auch wenn Universitäten das vielleicht nicht hören wollen, so richtig studiert hat kaum jemand meiner Erasmus-Freunde/-innen. Ich hatte montags Uni. Nur montags. Und habe den Rest der Zeit gebacken, Zimtschnecken gegessen, bin zu Ikea gefahren und auf die Schären und habe viel Tischtennis und Karten gespielt. Und ich habe mir Friseurläden und Fitnessstudios von außen angeschaut.

500 neue internationale Studenten/-innen starteten mit mir im August. Das FSJ Kultur in Berlin und Brandenburg, wo ich selber Freiwillige beim Jugendkulturzentrum Pumpe war und danach noch lange als Seminarfee (Co-Teamerin bei Seminaren; A. d. Red.) tätig gewesen bin, hat jährlich um die 160 neue Freiwillige. Das sind schtl_files/Dokumente und Bilder/FSJ Kultur/Einblicke/BI_201402_Einblick 18_Alumni_Annika Esser_Sunset 1_AE.jpegon zwei sehr unterschiedliche Hausnummern.

Erasmus, das ist Party, sagen die Leute. Ist es auch. Aber Erasmus ist auch, und da ist die Ähnlichkeit zum FSJ Kultur, eine besondere soziale Situation: Alle sind zur gleichen Zeit neu. Alle wollen hier gerne Freundschaften schließen und innerhalb kürzester Zeit haben sich Gruppen gebildet, die erstaunlicherweise gut zusammenpassen. Warum braucht man im „normalen“ Leben so lange, um Freundschaften zu beginnen? Genauso wie die Erasmus-Freunde/-innen aus Holland, Deutschland, Österreich, Frankreich und Australien werde ich die FSJ Kultur-Freunde/-innen aus Göttingen, München, Köln und Berlin nicht vergessen.

Genau wie das FSJ Kultur wird das Erasmus eine Erinnerung sein, an die ich mein Leben lang mit Freude zurückdenken kann. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, ich habe ein tolles Land erlebt und ich hatte viel Zeit, mich mit mir und meiner Zukunft zu beschäftigen und trotzdem dabei zu tanzen.

Und mehr Einblicke in das FSJ Kultur gibt es hier

Text: Annika Esser
Bild: privat