Einblick No. 21 // Alumni

Der Versuch verschlungener Wege

Das Wetter könnte besser sein, aber dann und wann sieht man doch das Blau zwischen den Wolken. Thomas ist auf dem Weg durch den Schlossgarten Karlsruhe. „Es gibt in der Reißbrettstadt Karlsruhe immer nur gerade Straßenfluchten“, sagt er. Er ist erst acht Monate in der Stadt und ist sich aber sicher, dass das eine Sache ist, an die er sich nicht gewöhnen wird. Der Weg, wie Thomas nach Karlsruhe kam, ist anders, verschlungener.

Freiwilliges Engagement gab es für Thomas schon vor dem FSJ Kultur, das er 2009/2010 im Darmstädter "Theater - Die Stromer" gemacht hat. Er war Klassensprecher und Schulsprecher und auch in seiner Heimatgemeinde in der Nähe von Darmstadt aktiv. In der Zeit vorm Abitur begann er mit Freunden, mit denen er Musik machte, leere Häuser zu bespielen.

Daraus entwickelte sich ein Projekt, das sich „Das offene Wohnzimmer“ nannte. Dort machten sie Veranstaltungen und versuchten diese Orte zu beleben. Mit dem Konzept gewann er bei dem Wettbewerb PlusPunkt Kultur der BKJ und konnte so sein Engagement ein Stück professionalisieren. Das lief dann parallel zum FSJ Kultur, der Weg hierhin war auch nicht gradlinig, sondern um mehrere Ecken.

Eigentlich hatte Thomas den Plan Astrophysik zu studieren. Doch nach dem FSJ Kultur gab es eine 180° Wende. Während des FSJ Kultur entwickelte er Interesse für die Arbeit der Koordinatoren/-innen bei den Landesträgern und stellte fest, dass man das auch studieren kann. Zum Beispiel Kultur- und Medienpädagogik an der Fachhochschule Merseburg.

Trotz Professionalisierung ist der Engagementgedanke geblieben und Thomas hat in Sachen Kunst und Kultur „vor sich hin gewerkelt“, wie er sagt. Er war im Studenten/-innenrat, beim Hochschultheater und Kunstprojekte waren natürlich auch Studieninhalt.

Ein solches Mischprojekt war der 1. Weißenfelser Taschengartenwettbewerb, den Thomas mit Kommilitionen/-innen ins Leben rief und der in den Weißenfelser Kleingartenvereinen für fröhliche Unruhe sorgte.

Einen kurzen Einblick in die Siegerehrung findet man auch auf der Videoplattform Vimeo:  http://vimeo.com/41663555

Am Ende vom Bachelor war klar, dass der Master keine Option ist. Was er hatte lernen wollen, hatte er gelernt. Freiberuflich machte er Jobs, die ihn über Wasser hielten und die ihm Spaß machten. Eine wissenschaftliche Vertiefung in die Medienpädagogik an der FH Merseburg erachtete er für sich persönlich nicht als sinnvoll. Da er neben der Freiberuflichkeit Platz für ein Studium sah, tauchte wieder ein vergessener Wunsch auf, der schon während des FSJ Kultur präsent war: Die freie Kunst.

Hier kommt Lukas ins Spiel und das Folkwang Museum in Essen. tl_files/Dokumente und Bilder/FSJ Kultur/Einblicke/BI_201405_Einblick 21_Thomas_Kueche_Karlsruhe.jpgLukas, auch ein ehemaliger Freiwilliger aus dem FSJ Kultur, hatte ihm damals während eines Seminars gesagt, dass er gerne freie Kunst studieren wolle und, Thomas mit den abstrakten Expressionisten vertraut gemacht. Das blieb in all den Jahren bei Thomas im Kopf kleben, wie er sagt. Diesen alten Kollegen rief er vor etwa einem Jahr an, nachdem sie fast drei Jahren nichts voneinander gehört hatten.

Sie glichen ab, stellten fest, dass sie beide studierten, nicht ganz zufrieden waren und tatsächlich beide dieselbe Professorin an der Kunstakademie Karlsruhe ansteuerten. Und jetzt?

So wurde die alte FSJ Kultur-Wurzel wiederbelebt. Sie sind den Weg der Bewerbung gemeinsam abgeschritten und gehen diesen jetzt auch konsequent weiter, sagt Thomas und meint damit die Wohnung, die die beiden gemeinsam bezogen haben. So genießt Thomas nun die Freiheiten des Kunststudiums in Karlsruhe und wird bestimmt auch hier Ecken und wilde Wege finden, um sich zu engagieren und Kunst zu machen.


Text: jf
Bild: privat

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