Einblick No. 7 // Alumni

Leben im Kreisverkehr – Wohin? Woher?

Alumni und ihre Lebensentscheidungen

Wie auch die aktuellen Freiwilligen sind viele der Alumni gerade an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie sich für einen Weg entscheiden müssen. Nach dem FSJ Kultur kommt das Studium oder eine Ausbildung, nach dem Bachelor der Master, nach dem Fahrrad das Auto, oder? Nein, denn nichts ist vorgeschrieben und die Auswahl ist groß. Für viele sogar zu groß. Einige Alumni erzählen von ihren aktuellen Entscheidungen.

Es gibt Studienabbruchgedanken, Neuorientierungen, Ängste, Befürchtungen und Überforderung. Aber auch Mut und viel Neugierde. Thomas zum Beispiel startete mit einem theoriebasierten Bachelorstudiengang, für den er sich entschieden hat, „weil ich das Tätigkeitsfeld meiner Koordinatoren unendlich interessant fand.“ Nach dem Bachelor wird er aber nun einen anderen Weg einschlagen, weil „ich festgestellt habe, dass ich mehr von meinem Lebensweg erwarte als Bildungsnormen zu erfüllen und auf Sicherheit zu zählen. Deshalb möchte ich nach dem Bachelorabschluss noch ein Diplom in Medienkunst oder freier Kunst in Karlsruhe erwerben.“ Oder Pia, die eigentlich immer gedacht hatte, sie würde studieren und dann ihre Liebe zur Pâtisserie entdeckte. Sie macht nun in Frankreich eine Ausbildung, weil dort „der Konditoreiberuf eine Tradition ist und sehr hoch in der Gesellschaft angesehen.“ Oder Maria, die zwar ganz genau weiß, dass sie einen Doktor in der Chemie machen will, aber mit einem mulmigen Gefühl Berlin verlässt und ein neues Leben in einer anderen Stadt beginnt. Sie alle haben das FSJ Kultur gemacht, um sich über die nachfolgenden Entscheidungen klar zu werden. Als Pause quasi zwischen einer und der notwendigerweise nächsten folgenden Station im Leben.

„Zum Glück kann ich mit meinen Eltern und guten Freunden über die verschiedenen Möglichkeiten reden, die ich habe. Ich finde es wichtig, sich, wie bei einem Kreisverkehr, so viele Optionen wie möglich offen zu halten, um sich schließlich zu entscheiden“, sagt Manon, die gerade in Stockholm ihr Auslandssemester macht und bald ihren Bachelorabschluss in den Händen halten wird. Wie sie, haben auch viele der anderen immer wieder ihre Freunde und Familie konsultiert, um gemeinsam nachzudenken, wie es weitergehen kann. „Ich verlasse mich absolut auf mein Bauchgefühl, bin aber trotzdem froh, dass ich seitens meiner Freunde und Familie positives Feedback bekomme“, meint Pia, die angehende Pâtissière. Und selbst wenn auf Nachdenken und Bauchgefühl nicht immer Verlass ist, etwas Auszuprobieren und daran zu Scheitern sind auch Formen der Erkenntnis.

Das sieht Marie genauso, die mit einem völlig anderen Gedanken spielt, nämlich sich ein Motorrad zu kaufen – für das sie Leidenschaft aber vor dem sie auch großen Respekt hat. „Wenn man etwas nicht selbst ausprobiert, kann man sicherlich auch nicht beurteilen, ob es falsch oder richtig ist“, meint sie aber und wird diese Devise sicherlich für viele weitere Momente in ihrem Leben gebrauchen können.

Denn letztendlich ist doch die Entscheidung für oder gegen etwas eine Sache, die jeder für sich allein treffen muss. Eindrücke von anderen können dabei helfen, aber jeder allein ist dafür verantwortlich, was er oder sie macht.

Und jede/r hat seine oder ihre eigenen Ziele. Das kann, wie Johanna aus Magdeburg meint, der Wunsch danach sein, „Irgendwann einfach gerne irgendwo anzukommen“ oder wie bei Silke aus Köln, „den Fokus auf sich selbst zu legen“, sich treu zu bleiben. So sind die vielen kleinen Entscheidungen ja eigentlich nur Hilfsmomente, um am Ende herauszufinden, wer man ist und welche Wege das Leben nehmen kann, darf und soll.

von Annika Esser
März 2013