Gemeinsame Verantwortung für Weltoffenheit

Interview mit Axel Schneider, Geschäftsführer der LKJ Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist im März 2016 eine neue Partei, die AfD, in den Landtag gewählt worden. Axel Schneider beschreibt eindrücklich die Bedeutung von Netzwerken beim Streben nach einer demokratischen und vielfätligen Gesellschaft.

Inwiefern hat für Sie die Kulturelle Bildung ein politisches Mandat?

Ich würde es nicht als politisches Mandat bezeichnen, sondern als eine gesellschaftliche Verantwortung. Die gesellschaftliche Verantwortung, die Kulturschaffende und Menschen, die Bildungsprozesse initiieren, haben, ist auf die Stärkung von Demokratie ausgerichtet, auf ein gemeinsames Aufwachsen junger Menschen in einer weltoffenen Kultur und in demokratischen Prozessen.

Verantwortung heißt, dass man auf dem Boden des Grundgesetzes und der UN-Konvention für Menschenrechte wirkt und das schließt dann beispielsweise Inklusion und Partizipation mit ein. Dies sollte von jedem Einzelnen gelebt werden. Und diese Verantwortung trägt jeder Mensch, der in Bildungsprozessen aktiv ist.

Wie versucht die LKJ Sachsen-Anhalt diese Verantwortung umzusetzen?
Wir haben uns nach der letzten Landtagswahl im März 2016, nach der die AfD als zweitstärkste Partei in den Landtag gezogen ist, mit verschiedenen Trägern der Zivilgesellschaft, mit Wohlfahrtsverbänden, mit dem Kinder- und Jugendring, mit dem Verein Miteinander, der Auslandsgesellschaft, der LAG der Migrantenselbstorganisationen zusammengesetzt und eine Grundsatzerklärung zur Weltoffenheit erarbeitet und an die Medien gegeben. In diesem Papier werden die Grundsätze, auf die wir uns als zivilgesellschaftliche Akteure im Lande geeinigt haben, formuliert.

Auch da wird sehr deutlich, dass Sie großen Wert auf Netzwerke legen.

Ja, es geht immer über die Kulturelle Bildung hinaus. Die Freiwilligenagenturen, die Migrantenselbstorganisationen sind Partner, die immer mit dazugehören. Es ist wichtig, dass die Projekte nicht im stillen Kämmerlein der Musikschule passieren, um jungen Leuten Räume zu geben und Engagement zu ermöglichen.

Und gibt es einen besonderen Auftrag der Kulturellen Bildung in solchen Zeiten?

Ein Schwerpunkt ist es, immer wieder zu gucken, dass die zugewanderten Menschen eingebunden werden, dass gezielt geschaut wird, dass die Diversität bei der Teilnahme und bei den Akteuren sichtbar ist. Wir haben, im Vergleich zu Berlin oder zum Ruhrgebiet, im ländlichen Sachsen-Anhalt nicht so hohe Ausländerzahlen, aber die Zahl der jungen Menschen an Schulen ist schon gewaltig angestiegen. Es gibt Stadtteile, wo auch die 50 Prozent in einigen Schulklassen erreicht werden. Und da denke ich, sind auf allen Ebenen Bemühungen notwendig, mit den Zugewanderten zusammenzuarbeiten, sie offensiv einzubinden und nicht nur für Sprachmittlung zu sorgen.

Das sind neue Herausforderungen, die wir zum Beispiel auch bei Bildungstagen in den Freiwilligendiensten bemerken. In unseren Freiwilligendiensten engagieren sind auch einige geflüchtete Menschen. Wir haben zurzeit drei Junge Leute aus Irak, Afghanistan und Kurdistan, die bei uns mitarbeiten.

Macht sich die AfD auch in der Kulturellen Bildung bemerkbar?

Die AfD hat zunächst erstmal die politischen Akteure, den Verein Miteinander für Weltoffenheit und Demokratie, der von der Landeszentrale für Politische Bildung maßgeblich finanziert wird, attackiert. Und das ging los bei der Wahl des Landesjugendhilfeausschusses im Landtag. Später kam es zum Eklat, weil als Reaktion auf einen Aufruf der Verbände ein AfD-Abgeordneter von „Vereinsmafia“ gesprochen hat. Wenn Verbände der Zivilgesellschaft unter diesem Begriff subsummiert werden und damit pauschal und global unqualifiziert angegriffen werden, dann fühlen wir uns mit angegriffen.

Die Kulturelle Bildung konkret ist nicht im Fokus der AfD. Bis auf die ein oder andere Theaterinszenierung. Da sagt die AfD z. B., dass die Kultur deutscher werden muss, dass auf den Spielplänen bestimmte Titel des deutschen Erbes stehen müssen.

Welche Synergien gibt es im Engagement zwischen Kultureller Bildung und dem Engagement für geflüchtete Menschen?

Die Synergien im Engagement für Zugewanderte entwickeln sich. Ein Beispiel ist ein Projekt vom BAMF aus dem Förderprogramm „House of Resources“ mit Namen „Resonanzboden“. In unserem Gebäude versuchen wir migrantischen Gruppen Räume, Technik, Beratung und Knowhow zur Verfügung zu stellen. Wir haben einen Co-Workingspace eingerichtet sowie eine Probebühne und einen Band-Probenraum, den wir zur Verfügung stellen können. Das Projekt ist durch die Zusammenarbeit der LKJ und der Arbeitsgemeinschaft der Migrantenselbstorganisationen LAMSA, welche im Haus auch noch das Projekt „Welcome to my library“ durchführt, entstanden.

Welche Schritte geht die LKJ Sachsen-Anhalt, um die Synergien weiter auszubauen?

Erstmal müssen wir alle Projekte, die angefangen wurden, stabilisieren und verstetigen. Die Kooperation zwischen den Migrantenselbstorganisationen und denen, die für Geflüchtete arbeiten (zum Teil aus der Wohlfahrt) und den Akteuren aus der Kultur, muss sich langsam entwickeln.

Mehr Informationen

Hier finden Sie die Links zu mehreren Projekten der LKJ Sachsen-Anhalt. Die Links führen auf externe Websites.

Facebook-Seite http://www.facebook.com/lkjlsa

Dehnungsfuge http://www.dehnungsfuge.com/

Resonanzboden http://resonanzboden.global/

Freiwilligendienste http://www.lkj-sachsen-anhalt.de/?page_id=5305

Zeitensprünge http://zeitenspruenge-lsa.de/