Alumni auf Kulturinvasion // 12. bis 14. Oktober 2012, Dessau

Nachricht vom Netzwerk FSJ Kultur A. D.

Wenn 40 ehemalige Freiwillige unter dem Deckmantel „Kulturinvasion“ in Dessau einfallen und in 24 Stunden eine Ausstellung vorbereiten, dann ist das für alle Anwesenden ein voller Erfolg und für alle Außenstehenden ein Faszinosum. Diejenigen, die das FSJ Kultur und die Seminare vermissen, denen das kreative Handanlegen fehlt, der Austausch mit anderen – all die kamen bei der Kulturinvasion auf ihre Kosten. Nachdem am Freitagabend Wörter gesammelt worden waren („Substantive gelb, Verben grün, Adjektive rot“), zog die Dramaturgin der im VorOrt-Haus gastierenden Theateraufführung fünf Wörter, die das Motto des Wochenendes werden sollten: „Brillierende Hoffnung kombiniert mit blauem Bier erkältet“. Nach leichtem Missmut – waren doch so viel herrlichere Worte im Hut gewesen („Karriereleitersturz“, „lebenslustig“), setzte schon am nächsten Morgen der kreative Prozess ein. In Kleingruppen wurde überlegt, welche Fähigkeiten, welche Ideen es gibt und was damit zu tun sei.

Das VorOrt Haus ist eine ehemalige Volkshochschule, die von Studenten/-innen im Designbereich renoviert und als eine Art „CoWorking-Space“ genutzt wird, um langfristig daraus einen Ort der kreativen Arbeit und Ausgangspunkt positiver Stadtentwicklung zu machen. Die Schwierigkeiten eines besetzten Hauses trugen alle mit Fassung – Hin und wieder war der stromliefernde Baustromkasten überlastet und setzte Licht und Musik, Wasserkocher und Bohrmaschinen außer Kraft. Dann wurde bei Kerzenschein weitergearbeitet, bis der Fehler gefunden und behoben war. Der Lagenlook war Programm – und wenn es trotzdem zu kalt war, wurde eben ein „Warm-up“ eingeschoben. Während die einen bauten, hämmerten, nähten, nachdachten, massierten und fotografierten, fand in der Küche ein Spektakel statt. Unter Anleitung von Berufskoch Michael stellten sich drei Alumni der Herausforderung, für 40 Menschen auf vier Herdplatten Leckeres zu zaubern. Mit großem Erfolg: Kürbissuppe, Nudeln, süßer Couscous, Kartoffelecken, Rührei und Feuerzangenbowle machten alle warm und zufrieden. Und die besondere Leistung war, dass auch die Kochgruppe zum Thema arbeitete und für alle Alumni und Gäste der Ausstellung am Sonntag an einer riesigen Tafel „Brillierte Rieslingsuppe mit unverhoffter Einlage kombiniert mit Schwarzbierbrot und blauen Ingwerkeksen gegen Erkältung“ kredenzten. Nach Performance und Betrachtung der verschiedenen Kunstobjekte (ein Raum im Raum mit Erinnerungen von damals und heute, ein Waldzimmer voller Blätter und Videoinstallationen, ein bierkronenklackernder Taschentuchschirm mit Gedankenwand, eine Blaubierlichterkette) stellten die Alumni überrascht fest, dass sie sich in kurzer Zeit so vertraut und nah gekommen waren. Wie wild wurde alles fotografisch festgehalten, sich andauernd umarmt und gemeinsam ein Plan zur Fortsetzung geschmiedet. Nächstes Jahr wieder..

von Annika Esser

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