DiversitätEinsatzstellen

Es geht ums Passen - Kennenlerngespräche bei Einsatzstellen

von BKJ

Bei den Bewerbungsgesprächen sind die Freiwilligen* die Spezialist*innen. Sie sollen bei der wichtigen Entscheidung – ihre Nachfolge betreffend – nicht stimmlos sein, darin sind sich Bianca Sue Henne vom Jungen Theater Nordhausen und Alessia Neumann vom Frankfurt LAB einig.

Obwohl sich beide Einsatzstellen unterscheiden – die eine ist ein mehrspartiges Stadttheater in einer Kleinstadt und die andere ist ein freies Gastspiel- und Produktionshaus für darstellende Künste in einer Großstadt – haben die Freiwilligen* an beiden Orten viel Verantwortung. Diese reicht bis zur Auswahl der Nachfolger*innen.

In Frankfurt begrüßt die*der Freiwillige* die*den Bewerber*in und führt sie als erstes durchs Haus. Danach kommt das Bewerbungsgespräch mit der Projektleiterin des Frankfurt LAB, Alessia Neumann, und der technische Leiter. Das Gespräch moderiert der*die Freiwillige*.

Die Fragen stellen alle, auch die Bewerber*innen und natürlich auch die Freiwilligen*. Julia Harmening, aktuelle Freiwillige* beim Frankfurt LAB, betont wie notwendig das ist, „damit alle möglichst ein realistisches Bild voneinander bekommen.“ Sie weiß schon, dass sie bei den Gesprächen besonders betonen wird, wie wichtig es sei, Lust auf Technik zu haben und auch mal am Wochenende da zu sein.

Alessia Neumann führt es noch weiter aus: „Auch bei der Entscheidung haben wir alle drei ein Vetorecht. Die Freiwilligen* sind sehr wichtig für uns. Die Person betreut eigenständig Bereiche und da können die aktuellen Freiwilligen* am besten einschätzen, wer da passt.“

In Nordhausen werden die Bewerbee*innen bereits von den Freiwilligen* eingeladen, berichtet Bianca Sue Henne, Leiterin des Jungen Theaters Nordhausen: „Sie rufen alle Bewerber*innen an und beschreiben das Verfahren, sodass auch schon gleich Fragen am Telefon gestellt werden können.“

Das Verfahren, von dem Bianca Sue Henne spricht, ist ein ganzer Bewerbungstag, zu dem alle Bewerber*innen für die drei Plätze am Theater Nordhausen eingeladen werden. „Wir profitieren wirklich unglaublich von dem, was die jungen Menschen an großem, persönlichem Engagement einbringen“, sagt Bianca Sue Henne. Da ist es wichtig, dass es passt und das merkt man, wenn man einen Tag zusammen verbringt. „Wir laden grundsätzlich alle Bewerber*innen ein, die uns von der LKJ Thüringen zusortiert worden sind“, betont sie, „Wir schauen uns dann alle Bewerbungsunterlagen an. Aber sortieren vor den Gesprächen noch nicht, weil wir festgestellt haben, dass die Bewerbungen, die die Freiwilligen* schreiben, meist nicht repräsentativ für ihre Qualitäten und ihre Persönlichkeit sind.“ Da es viel um direkten Kontakt geht, muss die persönliche Ebene stimmen. Bianca Sue Henne lacht: „Die Büros im Theater sind eben klein“. Bei der Frage, ob auch Freiwillige* ohne Abitur für das Theater Nordhausen in Frage kommen, winkt sie ab: „Das hat auch mehr mit Persönlichkeit als mit Schulbildung zu tun.“

So kommen ungefähr 45 junge Menschen für alle drei Plätze zu Bewerbungsgesprächen ins Theater Nordhausen. Weil nicht alle an einem Tag können und die Gespräche zudem meist in den Abiturzeiten liegen, gibt es zwei Bewerbungstage.

An denen wird um 11.00 Uhr gemeinsam mit den geladenen Bewerber*innen, den aktuellen Freiwilligen*, der Personalleitung, den Abteilungsleitungen und Mitarbeiter*innen gefrühstückt. In der ersten Stunde wird gegessen, getrunken und das Theater stellt sich vor. Bianca Sue Henne sagt, warum das wichtig ist: „Bei einem Bewerbungsgespräch darf man ja nicht vergessen, dass sich beide Seiten vorstellen. Und ich weiß, dass viele Einsatzstellen in der Provinz, wie wir hier in Nordhausen, Schwierigkeiten haben Bewerber zu begeistern, in diesen kleinen Orte zu gehen.“ Und dass obwohl es in den kleinen Häusern aufgrund ihrer Flexibilität oft mehr Chancen und Gestaltungsmöglichkeit für Freiwillige gibt, als in den großen Theatern in den großen Städten.

Nach dem Frühstück sind dann alle aufgetaut. Keiner befürchtet mehr das große, schlimme Intendanz-Prüfgespräch und man sieht schon, wie die Gruppe und ihre Mitglieder sich verhalten. Miteinander und zueinander. Dann gibt es eine Vorstellungsrunde (auch die Bewerber*innen), eine Führung durchs gesamte Theater (zu öffentlichen und nicht öffentlichen Orten), Workshops (bei denen mit etwas Glück auch gleich Ideen für die nächste Saison entstehen). Und dann ziehen die Freiwilligen* mit den Bewerber*innen ins nachbarliche Eiscafé, fragen und antworten und reden dort. Nacheinander gehen die Bewerber*innen dann zu ihren Einzelgesprächen. Aber wichtiger ist die Zeit mit den Freiwilligen* im Eiscafé – dort werden die wirklich relevanten Fragen geklärt.

Nach einem Arbeitstag sind alle wieder weg: „Es ist total anstrengend, auch für uns“, Bianca Sue Henne atmet schwer aus, „aber es ist wirklich auch jedes Mal total fruchtbar.“

Und ist am Ende des Tages klar, wer kommt? „Es verdichtet sich dann immer so auf vier bis fünf Personen für die zwei Stellen am Jungen Theater“, sagt Bianca Sue Henne, „aber am Ende entscheiden ja nicht nur wir, sondern auch die Bewerber*innen.“ Und es kam nicht selten vor, dass Bewerber*innen dann doch die große weite Welt der Stadt Nordhausen vorgezogen haben. „Ich kann nur dazu einladen, dass die Bewerber*innen sich so offen wie möglich auf das einlassen, was beim Bewerbungsgespräch oder bei so einem Bewerbungstag wie bei uns, passiert, weil das sie selbst zeigt.“ Wichtig ist, dass alle, die an dem Tag da waren, etwas mitnehmen. Auch diejenigen, die sich gegen ein FSJ Kultur in Nordhausen entscheiden oder nicht so gut passen, wie andere.

Am Ende der Spielzeit verlässt Bianca Sue Henne das Theater Nordhausen und zieht weiter ans Theater Heilbronn. Christian Georg Fuchs ist ihr Nachfolger und zum Glück will er das Bewerbungsfrühstück fortsetzen.