„Mit einem FSJ Kultur kann man viel bewegen“
Nach dem Abitur erst einmal etwas Neues ausprobieren, praktische Erfahrungen sammeln und gleichzeitig einen Beitrag zu einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe leisten – genau deshalb hat sich Luca für ein FSJ Kultur entschieden. Bei „Stolpersteine NRW“ verbindet er Geschichte, Medien und kreative Arbeit und bekommt dabei viele Möglichkeiten, sich selbst einzubringen.
Mein Weg zum Freiwilligendienst
Ursprünglich komme ich aus Bergisch Gladbach, bin aber im Laufe meines FSJ Kultur nach Bonn gezogen. Ich interessiere mich für Volleyball, Geschichte und Medien. Nach meinem Abitur wollte ich nicht direkt studieren und bin dann auf die Website der Freiwilligendienste Kultur und Bildung gestoßen. Hier habe ich mich auf einige FSJ-Kultur-Stellen beworben, darunter war auch ein Projekt, das ich schon kannte.
Über das Kontaktformular habe ich mich bei der Einsatzstelle angemeldet und nach einem Kennenlerngespräch habe ich den Einsatzplatz im WDR-Projekt „Stolpersteine NRW“ bekommen.
Stolpersteine digital erlebbar machen
Bei dem Projekt handelt es sich um eine digitale Erweiterung der Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Mit unserer App und Website ermöglichen wir einen innovativen und interaktiven Zugang zum Thema Nationalsozialismus und machen mit biografischen Texten, Illustrationen, Hörspielen und historischen Fotos die Lebensgeschichten hinter den Stolpersteinen zugänglich. Der Träger der Einsatzstelle ist die LAG Arbeit Bildung Kultur NRW.
Zwischen Paternoster, Datenbank und eigenen Ideen
Ein normaler Tag beginnt eigentlich immer gleich: Morgens in die Bahn, dann zum Hauptbahnhof am Kölner Dom, beim Pförtner am Eingang vorbei, in den Paternoster und hoch in unser Büro.
Die Aufgaben meines Freiwilligendienstes sind breit gefächert.
Dazu gehört das Schreiben von Texten, die Arbeit mit unserer großen Stolpersteine-Datenbank und der Kontakt zu anderen Initiativen. Außerdem übernehme ich die konzeptionelle Weiterentwicklung des Projekts, aber auch auf Außeneinsätze wie auf der Bildungsmesse „didacta“ und im WDR Pop-Up Studio Gelsenkirchen bin ich unterwegs.
Besonders viel Spaß macht es mir, eigene Konzepte zu entwickeln, mir auf kreative Weise Distributionsmaßnahmen auszudenken und Texte in meinem eigenen Stil mit journalistischer Grundlage zu schreiben.
Erste Marketingerfahrung beim eigenen Projekt
Besonders der Marketing-Aspekt brachte mich auf die Idee für mein eigenes FSJ-Projekt: In einem großen Medienhaus mit über 6.000 Mitarbeiter*innen ist es schwierig, unser digitales Projekt so zu platzieren, dass es überall bekannt ist und dadurch mehr Chancen auf Zusammenarbeit entstehen.
In meinem FSJ-Projekt beschäftige ich mich mit der Frage, wie man die Mitarbeiter*innen dieser großen Einrichtung auf unser Projekt aufmerksam machen kann. Aus den Erkenntnissen soll ein Konzept entstehen, das Umsetzungsvorschläge bereit hält und nachhaltig genutzt werden kann.
Außerdem beschäftige ich mich mit der Distribution von „Stolpersteine NRW“ nach außen: Wie erreiche ich bestimmte Zielgruppen und wie binde ich sie langfristig an das Projekt?
Gemeinsam wachsen und kreativ werden
An meinem Freiwilligendienst gefallen mir besonders die vielen verschiedenen Aufgaben und die Möglichkeiten, die ich durch meine Einsatzstelle beim WDR bekomme.
Ich habe in meiner Einsatzstelle andere Freiwillige gefunden, die genauso ticken wie ich und die nicht nur Kolleg*innen, sondern Freunde geworden sind.
Der Kontakt zu ihnen, das gemeinsame Arbeiten, der Austausch über die Einsatzstelle und der Zusammenhalt bei Problemen geben mir die Sicherheit, in meinem FSJ zu wachsen, mich zu entfalten und kreativ zu werden.
Bildungstage, die zusammenschweißen
Die Bildungstage sind eine schöne Abwechslung zum normalen Arbeitsalltag. Hier lernt man noch andere Dinge kennen als in seiner Einsatzstelle. Angeboten werden viele verschiedene Workshops (z. B. Theater spielen, Drehbuch schreiben, Singen), die die eigenen Skills erweitern und einen neuen Blick ermöglichen.
Außerdem gibt es meist ein cooles Abendprogramm und die Chance, sich mit seiner Seminarleitung über das Freiwillige Soziale Jahr Kultur zu unterhalten. Am wichtigsten sind aber die anderen Freiwilligen, die man bei den Seminaren kennen und lieben lernt. Viele von ihnen sind für mich zu engen Freunden geworden. Die Bildungstage haben mich und die anderen Freiwilligen eng zusammengeschweißt.
Ein Jahr, das neue Wege eröffnet
In den letzten Monaten gab es viele Highlights, einerseits durch die Aufgaben, andererseits durch gemeinsame Events und Unternehmungen, die wir als Freiwillige im WDR planen.
Meine Erwartungen an das FSJ wurden bisher alle erfüllt: Ich habe neue Freunde gefunden, mich weiterentwickelt und weiß nun, was ich in Zukunft mache: Nach dem Freiwilligendienst möchte ich Lehramt für Deutsch, Sozialwissenschaften und Geschichte in Bonn studieren.
Mit einem FSJ kann man viel bewegen. Das war einer der Beweggründe für mich, ein Jahr als Freiwilliger zu verbringen. Kultur- und Bildungsarbeit gehören zu den Grundlagen unserer Gesellschaft.
Außerdem zeigt meine Einsatzstelle Interesse an meinen Perspektiven und nimmt sie ernst.
Schlussendlich freut es mich, in Zeiten eines allgemeinen europäischen Rechtsrucks und einer eher destabilisierten Welt dazu beizutragen, verschiedenen Menschen Kultur und Bildung näher zu bringen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass die Erinnerung an die Schreckenstaten der Nationalsozialisten in unserem Bewusstsein bleiben muss.