Kein Pflichtdienst - Ideologiefrei nützlich

Die Debatte um eine allgemeine Dienstpflicht beschäftigte in den vergangenen Monaten die Politik und viele Träger von Freiwilligendiensten. Neben den rechtlichen Aspekten einer allgemeinen Dienstpflicht, die vielfach beleuchtet wurden, nimmt Hartmut Brombach, Referatsleiter Freiwilligendienste beim Internationalen Bund, die ideologischen und pädagogischen Aspekte eines Pflichtdienstes unter die Lupe.

Es bewegt sich viel in den Freiwilligendiensten: Ein Entwurf zu Teilzeit in Freiwilligendiensten liegt vor. Der Bundeshaushalt 2019 sieht zusätzlich und dauerhaft 65 Millionen Euro mehr an Fördermitteln vor. Und das Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend (BMFSFJ) hat noch für dieses Jahr ein neues Konzept versprochen.

Auch die Dienstpflicht kommt wieder auf den Tisch. Es sind fast zehn Monate vergangen, seit die aktuelle Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hat, dass alle Freiwilligendienste „in ihrer Bandbreite ausgebaut und gestärkt“ und „der Zugang für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligte“ ausgeweitet werden sollen.

Die Ideen der „Allgemeine Dienstpflicht“ haben ein ziemliches Feuer in die Diskussionen gebracht. Die BKJ hat sich hierzu schon eindeutig gegen einen Pflichtdienst positioniert.

Neben rechtlichen Aspekten, dass eine Dienstpflicht schwer mit den Europäischen Menschenrechtskonventionen und dem Grundgesetz, die Zwangsarbeit und Arbeitszwang verbieten, zu vereinbaren ist, kommen auch ein pädagogische und ideologische Aspekte hinzu. Diese betrachtet Hartmut Brombach in seinem Beitrag „Freiwilligendienst (mit Rechtsanspruch?) oder Pflichtdienst?“ im November 2018 im Newsletter des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement. Er geht der Debatte ideengeschichtlich nach, und warnt vor einem Übermaß an Ideologie, vor einer naiven Begeisterung für „entschultes Lernen“, wie es sich zum Beispiel in der Konzeption des Reformpädagogen Hartmut von Hentig (1) lesen lässt, das nicht ideologiefrei ist. Sein Fazit ist: „Es gibt rechtliche, politische, wirtschaftliche und pädagogische Gründe, die gegen die Einführung eines Pflichtdienstes sprechen. Bevor diese ernsthaft diskutiert werden, sollte jedoch mit den ideologischen Luftschlössern aufgeräumt werden, die immer wieder damit verbunden sind.“

Literatur:
(1) Von Hentig, Hartmut (2006). „Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“ München: Hanser Verlag.

Der Beitrag: Brombach, Hartmut (1. November 2018). „Freiwilligendienst (mit Rechtsanspruch?) oder Pflichtdienst?“ erschienen im Newsletter Nr. 22 des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE).

Ein junge, weiße Frau in einem dunklen Kleid sortiert Bücher in ein Regal.